Meister der Pollinger Tafeln

Die hochformatige Tafel hat durch ihre Erwerbung im Jahr vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und ihre Zerstörung 1945 so gut wie nie der fachlichen Öffentlichkeit zur Diskussion gestanden; ihre geringe Beachtung ist daher verständlich. Die eigenwillige, wirklichkeitsnahe und derbe Bildsprache, in der jede Idealisierung vermieden wurde, hat zu der Zuschreibung an den einen ähnlichen Stil repräsentierenden Maler der Außenflügel des Retabels vom linken Seitenaltar der Augustiner-Chorherrenstiftskirche Polling bei Weilheim geführt. Die Tafeln des 1444 datierten Werks, eine Stiftung des bayerischen Herzogs Albrecht III. und seiner Gemahlin Anna, sind heute in München (Alte Pinakothek) und Nürnberg (Germanisches Nationalmuseum), verloren sind die Reliefs der Innenseiten und der Mittelschrein. Stange zweifelte die Eigenhändigkeit des anonymen Meisters für die Berliner Tafel an und sah in ihr das Werk eines begabten Malers aus dem Umkreis des Pollingers, vielleicht des Meisters der Kreuzigung zu Törwang bei Rosenheim. Tatsächlich offenbart ein Vergleich etwa mit der Anbetung der Pollinger Tafeln in München erhebliche Unterschiede zum Berliner Bild, v.a. hinsichtlich der Falten und des Mariengesichts.

Erworben 1938 aus der Kunsthandlung Dr. Legendecker in Berlin, Preis 9.000 RM, zuvor Slg. Freiherr v. Stumm

Inv. Nr. 2164 , erworben 1938