Frankreich

  • Die preziöse Skulpturengruppe stellt den hl. Stephan als Fürbitter zusammen mit einem vor ihm knienden Bischof dar. Stephan, dessen Martyrium als Erzdiakon in der Apostelgeschichte 6,1 bis 8,2 ausführlich geschildert wird, präsentiert seine Attribute: in der rechten Hand das Evangelienbuch mit den auf das Martyrium verweisenden drei Steinen, in der linken der Palmzweig als Siegeszeichen. Der vor ihm kniende Bischof ist in vollem Ornat gekleidet und wendete sich einer Muttergottes oder Dreifaltigkeitsgruppe zu, der er von seinem Schutzpatron empfohlen wird. Die Gruppe stand ursprünglich wohl im Zusammenhang mit einer Stiftung, vielleicht einer Kapelle; anzunehmen ist eine Aufstellung auf einer Konsole, möglicherweise mit dem bischöflichen Wappen.
  • Einiges deutet darauf hin, dass sie im Umkreis des französischen Königs Karl VII. (reg. 1422-61) entstanden ist. Die Gesichter sind einerseits durch die starke Porträthaftigkeit des Bischofs sowie andererseits durch die auffallende Konzentration des Heiligen geprägt, mit der dieser sich durch Blick und Haltung seinem Schützling zuwendet. Beide sind durch eine intensive menschliche Nähe miteinander verbunden. Eine solche Bildkonzeption erinnert an Jean Fouquets Bildnis des Etienne Chevalier, des Schatzmeisters Karls VII., in der Berliner Gemäldegalerie. Besonders die Faltenbildung am Gewand des Bischofs ist mit Werken des Bildhauers Jacques Morel (1395-1459) verwandt, der im selben höfischen Milieu wie Fouquet arbeitete.
SKS 294 , erworben 2004 , Foto: Gerald Schultz