Michel Erhart

Das Kunstwerk: Die 38 cm hohe Statuette zeigt eine ruhig stehende Muttergottes in differenzierter Ponderation, die das nackte Christuskind vor ihrer Brust hält. In seiner linken Hand hält das Kind einen Granatapfel, den es uns Betrachtern entgegen streckt. Opulent und in reicher Abstufung zeigt sich das souverän entworfene Faltenarrangement in Mariens Umhang. Die Statuette ist gleichzeitig Andachtsbild und Kleinkunstwerk. Aus Lindenholz geschnitzt hat sie die ursprüngliche Farbfassung verloren, die jetzige stammt aus dem 20. Jahrhundert.

Der Künstler: Michel Erhart ist der bedeutendste Ulmer Bildhauer der zweiten Hälfte des 15. Jahr-hunderts. Er steht auf einer Stufe mit Tilman Riemenschneider und Niclas Gerhaert von Leyden. Die Berliner Skulpturensammlung besitzt seine berühmte „Schutzmantelmadonna“ aus Ravensburg sowie Szenen aus dem Leben des Papstes Gregor und der Hl. Katharina.

Ein Modell: Die Erhartsche Madonna gilt als das Modell für die vergoldete Silbermadonna (1482) des Augsburger Goldschmieds Heinrich Hufnagel aus dem Kloster Kaisheim, die sich schon seit dem 19. Jahrhundert in der Skulpturensammlung befindet. Problemlos konnte Hufnagel Komposition und Hauptmerkmale des hölzernen Vorbildes in die metallene Treibarbeit umsetzen. Beide Kunstwerke sind fast gleich groß, ihre Komposition ist nahezu identisch. Reizvoll zu beobachten ist die schöne Form in den unterschiedlichen Materialien Holz und vergoldetem Silber.

Die Bedeutung der Statuette für die Skulpturensammlung als Werk Michel Erharts ist nach Überzeugung von Herrn Dr. Chapuis sehr hoch. Gesteigert wird diese Bedeutung durch den Modellcharakter für die Hufnagelsche Madonna in der Skulpturensammlung.

Beide Werke befinden sich in der Skulpturensammlung im Bode-Museum.

Heinrich Hufnagel - Muttergottes mit Kind

Heinrich Hufnagel – Muttergottes mit Kind
1482
Silber, teilvergoldet
Fotos: Antje Voigt

, Foto: Antje Voigt