Gentileschi, Orazio

Der junge David, ein Knabe, bräunlicht und schön, wie Luther übersetzte, hält den Stein in seiner Hand, mit dem er den Philister Goliath, einen kräftigen, erfahrenen Krieger, zu Fall gebracht hat. Um ihn zu töten, hat er dessen Schwert ergriffen und ihm den Kopf abgetrennt. David ist aber nicht in der Pose des triumphierenden Siegers zu sehen, wie nach seinen großmäuligen Worten gegenüber Goliath vor Beginn des Kampfes zu erwarten wäre. Er blickt offenbar tief in Gedanken verloren auf das abgeschlagene Haupt und überlässt dem Bildbetrachter, diese Gedanken nachzuvollziehen. Das blanke Schwert hat er noch in der Hand. Dessen Widerschein zeigt sich an der Wade des linken Beins und macht die Feinmalerei bewusst, die sowohl die Person des Siegers als auch die in weite Ferne reichende Landschaft kennzeichnet.

Das Gemälde ist kleiner als ein A3-Format. Gentileschi war aber vor allem Maler von Großformaten, wie man auch in der Berliner Gemäldegalerie sehen kann. Im Palazzo Spada in Rom gibt es eine ähnliche Komposition in Lebensgröße, die er in der viel kleineren Berliner Fassung weiterentwickelt und vervollständigt hat.

Text Helmut Vogt.

Kat.Nr. 1723 , erworben 1914 , Foto: Jörg P. Anders