Guardi, Francesco

1784, ein Jahr nach dem ersten Aufstieg eines Heißluftballons durch die Brüder Montgolfier in Paris, wurde auf Anordnung des Prokurators von San Marco, Francesco Pesaro, in Venedig ein Holzgestell errichtet, von dem aus der Start eines bemannten Ballons erfolgen sollte. Die Gondel und ein Ballon von zehn Fuß Durchmesser wurden von Domenico Zanchi entworfen. Der Ballon stieg glücklich auf und landete erst nach zweieinhalb Stunden in einem Sumpfgebiet der Lagune.

Diese sensationelle Ballonfahrt wurde von einer großen Menschenmenge bestaunt und im selben Jahr von Francesco Guardi in ein mittelgroßes Gemälde aufgenommen, das eine eigenwillige Gestaltung aufweist. Gezeigt wird eine Menge Menschen im Porticus des Zollhauses (Dogana del Mar) an der Spitze des Canal Grande und des Canale della Giudecca, die von dort aus den Aufstieg des Ballons beobachten. Der eigentliche Gegenstand des Interesses, der Ballon mit seiner Gondel, nimmt nur 0,5 % der Bildfläche ein. Während die Darstellung des Ballons sorgfältig ausgeführt ist, sind die Menschen mit flottem Pinsel lebhaft erfasst. Von besonderer Wirkung sind die Pfeiler und das dunkle Dach des Porticus, die die Handlung einrahmen und der ungewöhnlichen Bilderfindung ihren Reiz verleihen.

Text Helmut Vogt.

Kat.Nr. 501F , erworben 1901 , Foto: Jörg P. Anders