Frankreich

  • Eine große Herausforderung war die Offerte einer Pariser Sammlung des 19. Jahrhunderts, die „Königliche Stifterin“ zum Preis von 350.000,- Euro anzukaufen. Die Anstrengung hat sich gelohnt – die Statue, eine Kalksteinfigur, glänzt nun im Bode-Museum – ehemals Kaiser Friedrich Museum – an prominenter Stelle und als neuer Mittelpunkt in der Sammlung französischer Skulpturen aus dem 13. und 14. Jahrhundert.

    Die Skulptur der Stifterin legt Zeugnis ab über die höfische Kunst und Kultur Frankreichs im späten Mittelalter: über die Hofkunst Philipps IV. des Schönen, über ihre künstlerische und ästhetische Nachfolge und ihr Nachwirken in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Zugleich gibt sie – besonders auch unter religions- und sozialgeschichtlichen Aspekten interessant – Auskunft über die Stiftungskultur im Frankreich des 14. Jahrhunderts. Sie steht für die Bedeutung und den Rang des weiblichen Stiftens, verkörpert die ausgeprägte weibliche Komponente im höfischen Stiftungswesen ihrer Zeit.

    Auf charakteristische Weise verkörpert die Statue zudem stilistische Merkmale und Tendenzen, die sich während der Regentschaft Philipps IV. des Schönen herausbildeten – geschaffen von einem unbekannten meisterlichen Bildhauer des königlichen Hofes oder seines Umfeldes. Er hat der Statue der Stifterin mit dem Architekturmodell einer Kapelle oder eines Oratoriums als Symbol des Stiftens einen singulären Charakter gegeben, der sie deutlich von anderen Pariser Skulpturen des 14. Jahrhunderts unterscheidet. In Typus und Gewand-Ausbildung zitiert er Werke aus der Mitte des 13. Jahrhunderts wie beispielsweise die Madonna des Nordquerhauses von Notre Dame (1245/50).

  • Die Statue entspricht aber mit Detailtreue und einem hohen Grad an Plastizität dem „dolce stile nuovo“ (Dante) der Zeit um 1300 und nimmt Elemente des „Schönen Stils“ Pariser und Prager Prägung in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts vorweg.

    Der Erwerb dieser Statue von künstlerisch und kulturhistorisch hohem Rang steht in der langen Tradition bürgerlichen Mäzenatentums des Kaiser Friedrich Museumsvereins. Mit dem Engagement seiner Mitglieder, Förderer und Freunde und einem beispielhaften Finanzierungsmodell konnte es gelingen, ein so bedeutendes Meisterwerk zu erwerben und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

    Große Anliegen erfordern großes Engagement, und so ist auch vielen zu danken. Zahlreiche große und kleine Spenden gingen ein. In Oktober letzten Jahres konnte mit einem rauschenden Fest für Mitglieder und Freunde – vor der offiziellen Eröffnung am 17. Oktober 2006 – die Rückkehr des Kaiser Friedrich Museumvereins in das Bode-Musuem gefeiert werden. Dieser Abend diente auch dem Fundraising für den Neuankauf. Einmal mehr wurde unter Beweis gestellt, dass die Bereitschaft der Mitglieder, Freunde und Förderer des Kaiser Friedrich Museumsvereins, die Sammlungen Alter Meister in Berlin zu unterstützen, ungebrochen ist. Allen Spendern ein herzliches Dankeschön.

    Die „Königliche Stifterin“ kann in Saal 111 des Bode-Museums besichtigt werden.

SKS 296 , erworben 2006/07 , Foto: Antje Voigt