Meister des Rimini-Retabels

  • Buch und Schwertgriff: diese Attribute weisen die stark frontal ausgerichtete Statuette und vermutlich Teil eines größeren Altarensembles als Apostel aus, wahrscheinlich Bartholomäus, vielleicht aber auch Paulus.
    Werke aus semi-transparentem Alabaster waren ein gefragtes Handelsgut und hat es in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts v.a. in den Niederlanden, Frankreich und Eng­land gegeben. Die geringe Größe der Blöcke sowie das für Feinarbeiten besonders geeignete weiche Material begünstigten die Fertigung von Kleinbildwerken in Form kleinerer Trag- oder Rei­sealtäre. Ihre oftmals far­bige Fassung unterstrich den kostbaren Charakter: die ehemals auf den wellenförmi­gen Gewandsäumen der Fi­gur angebrachten Goldborten sind dafür Zeugnis.
  • Es handelt sich wohl um eine Arbeit des sog. Rimini-Meisters, der nach seinem Hauptwerk, einem Kreuzigungsaltar (Frankfurter Liebieghaus), benannt ist. Dieser Altar wurde für die 1432 vollendete Kirche S. Maria delle Grazie nahe Rimini angefertigt, sein figürlicher Besatz, der sicher von verschiedenen Künstlern geschaffen wurde, stammt aus einer auf Export spezialisierten Werkstatt in den südlichen Niederlanden. An diese Skulpturengruppe, mit der die Forschung noch keinen konkreten Namen in Verbindung bringen konnte, erinnern die ausgewogene Symmetrie der Gesichtszüge und das perückenartig gebildete Haar der Berliner Statuette.
M 292 , erworben 2001 , Foto: Antje Voigt