Oberrhein

Die stark bewegte Faltenlandschaft des weit über die Sitzbank ausgebreiteten Marienmantels, die graphisch wirkenden Plissierungen des durch den Gürtel gehaltenen Gewandes und die lebendige Bewegung des Kindes sprechen für eine oberrheinische Provenienz. Die Datierung ergibt sich aus der Nähe zu Straßburger Werken aus dem Umkreis und in der Nachfolge Niclaus Gerhaerts von Leyden. Besonders das spannungsvolle Verhältnis von abstrakten Gewandmotiven sowie fein ausgearbeitetem Haar und Inkarnat des Kindes deutet darauf hin. Interessant ist die direkte Ausrichtung des gesenkten Kinderblicks nach vorn. Möglicherweise befand sich das Bildwerk leicht erhöht, so dass auf diese Weise eine unmittelbare optische Beziehung zum Betrachter hergestellt werden konnte.

M 138 , erworben 1915 , Foto: Andres Kilger