Puget, Pierre

Aura und Esprit

Von höchstem künstlerischem Rang ist das Terracotta-Modell für eine kolossale Marmorstatue des heiligen Alessandro Sauli in der Kirche Santa Maria Assunta di Carignano in Genua.
Seine Qualität liegt im Prozesscharakter: Erfindung und Findung des Motivs, wirkungsvolle Präsenz des ersten Entwurfs – die Unmittelbarkeit der Meister­schaft Pugets ist spürbar in diesem Modell, das vor dem Brennen im nachgiebigen Material Ton mit bloßen Händen gearbeitet wurde. Die Fingerabdrücke des Künstlers sind heute noch sichtbar.

Affekt und Pathos

Ein außerordentlich hohes Maß an Ausdruck kennzeichnet den Heiligen, der im Zustand der Erhebung dargestellt ist. Von bemerkenswerter Kühnheit ist Pugets Darstellung des weit nach oben gerissenen Kopfes. Die Bewegung nach oben, himmelwärts, teilt sich dem ganzen Körper und den prächtigen bischöflichen Gewändern mit.

Alessandro Sauli (1534-1593) hatte einen besonderen Ruf als charismatischer Prediger. Tiefste Hingebung bis hin zur Entrückung soll seine Messfeiern aus­gezeichnet haben. Während der rechte Arm des Heiligen seinem stark emotionalen Aufwärtsstreben zu folgen scheint, will der eng am Körper gehaltene linke Arm mit der auf die rechte Hüfte gedrückten Hand verhindern, was der Geist sucht: Die vollständige Erhebung zum Göttlichen. Auch der Putto zu Füßen des Heiligen scheint den Hocherregten auf Erden halten zu wollen.

Kühnheit und Innovation

Pierre Puget arbeitete von 1660 bis 1667 in Genua und gab den Anstoß für eine bedeutende genuesische Skulpturenepoche. Mit seinem Entwurf zeigt sich Puget als überragender Meister eines Übergangs des barocken Standbildes in Richtung szenisch-ereignishafter Darstellung mit frappantem Ausdruck.

Die Figur stellt ein Glanzlicht in der Sammlung der Barock-Bozzetti im Berliner Bode-Museum, eine der weltweit bedeutendsten ihrer Art, dar.

Bode-Museum, Raum 131

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Kat.Nr. KFMV 305 , erworben 2014 , Foto: Antje Voigt