Sittow, Michel

Der enge Bildausschnitt und die zarten Berührungen zwischen Mutter und Kind verleihen diesem halbfigurigen Marienbild mit dem Jesukind seinen sehr intimen Charakter, der noch verstärkt wird durch seine ursprüngliche Funktion als linker Flügel eines Diptychons mit dem halbfigurigen Porträt des Stifters Don Diego de Guevara (Washington, National Gallery of Art). Guevara, der 1520 gestorbene Schatzmeister der Margarete von Österreich, Statthalterin der Niederlande, und Ritter des Calatrava-Ordens, blickt in andächtiger Versenkung auf das Kind, während er seine Linke auf die Brüstung und den orientalischen Teppich gelegt hat, die sich auf dem Marienbild fortsetzen. Sittow gehörte wohl zu den angesehensten Malern seiner Zeit. In der letzten Periode entstand auch das zu seinen Hauptwerken zählende Diptychon. Geschätzt wurde an Sittow, vor allem von Karl V., seine perfekte Beherrschung des altniederländischen Stils, den er nur unwesentlich veränderte, etwa in der stärkeren körperlichen Präsenz des nackten Kindes und des Mariengesichts, die bei van Eyck und Memling so nicht denkbar wären.

Kat.Nr.1722 , erworben 1914 , Foto: Jörg P. Anders