Tirol

Es handelte sich um die Predella eines Retabels, in der das Thema der Kirchenväter als Verweis auf die Auslegung des auf dem Hauptbild dargestellten biblischen Ereignisses durchaus geläufig war. Gewöhnlicherweise werden sie – eine kanonische Reihenfolge gibt es nicht – in unterschiedlichen Haltungen des Studiums, Schreibens oder Diskutierens wiedergegeben, wie auch hier: Während sich links Gregor, auf eine Stelle in einem aufgeschlagenen Buch weisend, seinem Nachbarn Ambrosius zuwandte, der an seinen über geschlossenem Buch ausgestreckten Fingern die Gegenargumente aufzuzählen schien, war Augustinus mit Augenglas in die Lektüre vertieft; Hieronymus schließlich wurde recht genau im Zustand des Schreibens gezeigt, mit Feder und Messer, mit dem er die Seite des Buches fixierte, auf der er gerade schrieb. Die halbfigurig dargestellten Kirchenväter befanden sich hinter gemalten Brüstungen, die einzelnen Bildfelder waren durch plastische Rahmungen aus Säulchen und Segmentbögen unterteilt. Die Tiroler Provenienz legen die mächtigen, charaktervoll-männlichen Erscheinungen nahe, ohne dass jedoch eine konkrete Zuschreibung möglich wäre. In Tirol war das Thema der Kirchenväter seit Michael Pachers berühmtem Retabel für Kloster Neustift von 1491 auch als zentrale Darstellung auf der Mitteltafel bekannt; 1510 etwa bestellte ein unbekannter Auftraggeber für eine Brixener Kirche bei Andre Haller eine Kopie des Pacherschen Kirchenväteraltars (Innsbruck, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum). Auch wenn die Berliner Predella keine motivischen Übereinstimmungen mit den Pacherschen Vollfiguren aufweist, spricht doch die lebendige und wirklichkeitsnahe Umsetzung des Themas dafür, dass das Werk nicht ohne Kenntnis des Kirchenväteraltars entstanden sein kann.

Erworben 1915 aus dem Wiener Kunsthandel, Preis 7.600 RM

Inv. Nr. 1733 , erworben 1915